“Die Unvollkommenheit der Schwäne” von Brandon Witt

“Die Unvollkommenheit der Schwäne” von Brandon Witt

@ Dreamspinner Press | Cover

Zuallererst, ich bin ein riesiger Fan von Brandons Bücher, weil er es einfach schafft, Bücher zu schreiben, die so real und mitreißend sind, dass man einfach nicht davon loskommt. Seine Protagonisten müssen nicht perfekt sein, sollen nicht perfekt sein – sondern einfach real. „Die Unvollkommenheit der Schwäne“ bildet hierbei keine Ausnahme.

Kevin ist erfolgreich, gut aussehend und will sich seinen größten Traum erfüllen – eine eigene Boutique eröffnen und dort Brautkleider verkaufen. Dieser Wunsch ist in greifbarer Nähe als er das perfekte Haus dafür findet, und einen Geschäftspartner, Casper, der im oberen Stock eine Bäckerei für Hochzeitstorten eröffnen will. Beide gehen das Risiko ein und stürzen sich in die Renovierungen, nachdem sie das alte Haus gekauft haben.

Natürlich ist nicht alles eitle Wonne, denn plötzlich ist da wieder Kevins Ex-Ehemann, seine verrückte Familie und seine eigenen Dämonen, die immer stärker werden.  Und dann ist da auch noch Casper, der so gar nicht Kevins Typ entspricht, aber der für Kevin immer wichtiger wird.

Kevin ist eigentlich all das was sich viele wünschen würden – erfolgreich, gut aussehend und ein wirklich netter und sympathischer Kerl. Nur kann Kevin selbst das nicht sehen, wenn er in den Spiegel sieht. Er sieht nur Unvollkommenheit, Hässlichkeit und Enttäuschung. Und dies schon seit vielen Jahren. Seit er ein Teenager ist, kämpft er mit einer tükischen und versucht diese vor seiner großen, unterstützenden Familie und allen anderen zu verstecken. Seine Dämonen haben ihn fest im Griff und verstärken die Angst und Panik, die er oft verspürt und die aus ihm ausbricht. Sein Ex-Mann Scott – der an und für sich sicherlich kein schlechter Kerl ist, denn als dieser wird er auch überhaupt nicht dargestellt – ist keine Hilfe, da er für Kevin einfach perfekt aussieht und in Kevin diese negativen Gefühle noch weiter verstärkt. Der Stress, der mit dem Umbau des alten Hauses natürlich auch mehr wird, ist ebenso wenig förderlich und so wird man Zeuge von Kevins Kampf, der einen einfach berühren muss. Man wünscht sich so sehr, dass Kevin endlich sieht, dass er gut ist wie er ist. Dass er so geliebt wird. Dass er seinen Wert erkennt, und ist betroffen, dass es Kevin einfach nicht kann. Als Casper in sein Leben tritt, der mehr sieht als viele andere und auch nicht auf den Mund gefallen ist, muss Kevin erkennen, dass er nicht alle täuschen kann, und es vielleicht auch gar nicht muss, sondern es endlich an der Zeit ist, sich seinen Dämonen zu stellen.

Casper ist toll, anders kann ich es nicht ausdrücken. Er trifft Kevin über einen gemeinsamen Bekannten und weiß sofort, dass es Schicksal ist, dass er Kevin getroffen hat. Er lässt sich gleich darauf ein, eine Bäckerei in dem Haus eröffnen zu wollen, welches Kevin kaufen möchte. Er weiß, dass er nicht der Traummann schlechthin ist und nachdem er Kevins Ex-Mann trifft, ist er eigentlich der Meinung, dass er niemals für jemanden wie Kevin gut genug sein wird. Aber dennoch verliert er nie die Hoffnung. Er ist einfach perfekt … perfekt für Kevin. Denn er ignoriert die Anzeichen nicht und spricht es an. Natürlich wäre es weitaus praktischer es so wie Scott handzuhaben, indem man die Augen davor verschließt, aber so ist Casper nicht. Er spricht es an – oft mehr als direkt – gibt Kevin aber auch gleichzeitig zu verstehen, dass er bei ihm bleibt, ihn stützt und unterstützt. Dass er nicht alleine ist und keine Angst haben muss, dass Casper ihn weniger lieben könnte, nur weil er „nicht perfekt“ ist.

Je mehr Zeit Kevin und Casper zusammen verbringen, desto mehr sieht und spürt man, dass die beiden einfach zusammengehören, einander ergänzen. Es entwickelt sich langsam und das auf eine Art und Weise, die einfach authentisch wirkt. Dadurch dass die Geschichte abwechselnd von beiden Protagonisten erzählt wird, kann man die Gedanken, Gefühle und Wünsche beider gut nachvollziehen. Und dadurch wird man auch Zeuge, wie ruhig und friedlich Kevin in Caspers Gegenwart oft ist. So als wäre er sein persönlicher Ruhepol. Und gerade das kann Kevin mehr als gut gebrauchen.

Ich habe auch Kevins Familie sehr ins Herz geschlossen, da sie alles für ihn tun würde, manchmal aber vielleicht einfach zu erdrückend sein kann, vor allem Kevins Mutter Renata, für die ich relativ lange gebraucht habe, um mich für sie zu erwärmen. Noelle hingegen hat mein Herz gleich erobert. Und ich glaube beiden, dass sie für Kevin nur das Beste wollen, auch wenn sie manchmal von ihrer Art her relativ eigen sind. Auch Caspers beste Freundin fand ich toll.

Zu erfahren, dass dies zum Teil die Geschichte von Brandons bestem Freund ist, hat die Geschichte für mich noch mal viel realer und emotionaler gemacht. Es erfordert Mut, seine Geschichte in solch einer Form offen darzulegen und ich hoffe, dass der reale Kevin auch seine Wünsche und Träume erfüllen können wird. Umso perfekter ist auch das Cover und vor allem der Titel … oh mein Gott, der Titel ist einfach unglaublich treffend gewählt. Und ich hoffe, dass diese Geschichte Betroffenen Mut machen kann, vor allen den männlichen Betroffenen, die leider sehr oft noch vergessen oder ignoriert werden. Dabei ist die Zahl steigend.

Diese Geschichte zeigt, dass man niemals aufhören sollte zu träumen, dass man dafür kämpfen sollte, seine Wünsche und Träume zu erfüllen und dass Liebe manchmal alles überwinden kann. Vielleicht ist es etwas märchenhaft, aber es gibt Hoffnung. Und dafür möchte ich Brandon und auch Travis danken.

Wie gesagt, ich bin begeistert von der Geschichte, von den Charakteren, von allem und kann daher einfach nur eine Leseempfehlung aussprechen.

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