„Mein Ex, sein Giftzwergbruder und ich“ von Erin Tramore

„Mein Ex, sein Giftzwergbruder und ich“ von Erin Tramore

@ Erin Tramore | Cover

Jerry hat es nicht leicht. Auf Bewährung draußen hat er schon drei Aushilfsjobs verloren und muss nun, als letzten Ausweg, einen Job bei seinem Ex-Freund Fernando annehmen, der ihn damals eiskalt in Stich gelassen hat. Die Bezahlung ist gut, und eigentlich kann es ja nicht so schwer sein dessen Bruder, Luca, der im Rollstuhl sitzt, herumzufahren und auf ihn aufzupassen. Aber natürlich ist es nicht so leicht wie Jerry dachte, denn Luca schikaniert ihn die gesamte Zeit. Außerdem leidet er seit dem Gefängnis an Albträumen und Schlafstörungen, ebenso Panikattacken. Und dass er noch immer Gefühle für Fernando hat macht die Sache nicht besser.

Jerry hat in seinem Leben leider eine falsche Entscheidung getroffen und musste nun dafür bezahlen. Da sein daraus resultierender Gefängnisaufenthalt kein Zuckerschlecken war, zeigt sich deutlich durch seine Schlafstörungen und Albträumen. Und es ist schwer danach wieder auf die Beine zu kommen oder nicht mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Als er dann Fernandos Job annimmt, wird es nicht besser. Er muss mit seinen Gefühlen für Fernando umgehen und auch mit den ständigen Beleidigungen von Luca. Die er aber öfter mal auf sehr sympathische Art und Weise kontert. Er hat mir wirklich leidgetan, weil er eigentlich ein guter Kerl ist und eine zweite Chance definitiv verdient hat. Er hat mit so viel zu kämpfen und leidet einfach, versucht sogar mittels Tabletten zumindest für kurze Zeit Ruhe zu empfinden. Er kämpft, um sich ein neues Leben aufzubauen, und manchmal hat man das Gefühl, dass er sich selbst einfach aufgegeben hat.

Fernandos Beweggründe bleiben am Anfang verborgen und für mich war er nicht wirklich einschätzbar – außer, dass er sehr viel arbeitet und selten zu Hause ist. Sein Umgang mit Jerry ist nicht immer schön und macht es einem am Anfang etwas schwer, ihn als sympathisch zu erachten. Aber auch er hat Geheimnisse, die im Laufe der Geschichte aufkommen und ihn in einem anderen Licht dastehen lassen. Leider blieb er für mich einfach trotzdem zu wage und zu oberflächlich. Um wirklich in diesen Charakter einfühlen zu können, hätte ich einfach mehr gebraucht. Und zwar mehr von allem – seiner Vergangenheit, von ihm selbst.

Luca wirkt am Anfang wie der wütende Teenager, der er nun mal auch ist. Es ist nicht leicht dank eines Unfalls im Rollstuhl zu sitzen und darauf zu hoffen, dass es vielleicht doch einmal besser wird. Er behandelt Jerry mehr als respektlos. Im Laufe der Geschichte wird offenbart, warum er Jerry so behandelt bzw. warum er so agiert, und ich konnte es zwar nachvollziehen, aber in der Geschichte wurde mir einfach zu wenig darauf eingegangen, dass ich es wirklich auch so empfinden konnte. Auch da hätte ich mir definitiv mehr gewünscht.

Der Plot an sich bzw. die Grundidee ist in Ordnung, nur einige Dinge gingen mir einfach zu schnell oder waren in ihrer Auflösung für mich nicht wirklich stimmig. Auch mit dem Schreibstil kam ich eher schlecht zurecht, er konnte mich nicht wirklich packen, was vermutlich auch mit ein Grund war, warum ich zu Fernando und Luca jetzt nicht wirklich eine Bindung aufbauen konnte. Teilweise kam er mir zu abgehakt und zu emotionslos vor. Das hätte etwas runder sein können. Vielleicht hätten mich dann auch die Charaktere ein wenig mehr packen können.

Alles in allem klingt die Idee sehr vielversprechend, nur war die Umsetzung nicht wirklich meins, weshalb ich auch keine Leseempfehlung aussprechen kann. Aber wie ihr wisst, Geschmäcker sind verschieden.

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Ich muss sagen, dass mich schon der Titel nicht unbedingt angesprochen hätte. Deine Beschreibung von Jerry hat mich dann doch hoffnungsvoll aufhorchen lassen. Aber ich denke, dass die Punkte, die Du kritisiert hast, auch mich so stören würden, dass kein echtes Lesevergnügen dabei herauskommt.
LG Gabi